In Oderberg sind zur Zeit ca. 160 Flüchtlinge an zwei Standorten untergebracht. Der Betreiber ist das Evangelische Jugend und Fürsorgewerk (EJF).

Die Ausgangslage für die Initiative WiO

Die Stadt gilt im Landkreis als Problemfall. Es gibt Überschuldung, Abwanderung und einen hohen Leerstand. Die Stadtverordneten und die Bürgermeisterin verhalten sich wenig kooperativ.

Auch viele Oderberger sind gegenüber Flüchtlingen sehr reserviert. Vielleicht gibt es ein Abwarten, dass dies alles vorübergehen möge. Den Gedanken, dass die Integration von Flüchtlingen eine Chance für Oderberg sein könne, wollen wohl viele gar nicht erst zulassen. Die 2014 als Verein gegründete „Perspektive Oderberg“ findet sich in der Frage der Willkommenskultur zu keinem gemeinsamen Handeln, wesentliche Vereinsmitlgieder wirken aber in der WiO mit und waren von Anfang an dabei.

Dagegen stehen Bürger, die die Initiative „Willkommen in Oderberg“ gegründet haben. Dort arbeiten auch Bürger aus den Nachbardörfern mit. Unter denen, die helfen wollen, sind auch Zugezogene. Sie scheinen eher das Potential der Stadt zu sehen, Alt-Oderberger betrauern eher den Bedeutungsverlust. Auf jeden Fall sind sie solidarisch mit den Flüchtlingen.

Handlungsmöglichkeiten

Unter diesen Voraussetzungen müssen sich die Akteure der Willkommensinitiative über ihre Handlungsoptionen verständigen. Es sollen daher zunächst eine defensive und dann eine offensive Strategie dargestellt werden.

ENTWEDER…

Oderbergs Verharren im Klagemodus wird hingenommen. Dass Migranten sich so nicht willkommen geheißen fühlen, kann bedauert, aber verständnisvoll anerkannt werden. Viele Flüchtlinge streben in Städte, in denen schon Landsleute leben. Wer Abweisung oder Gleichgültigkeit erlebt, wird rasch aus Oderberg wegwollen. Sollte man deshalb nicht alles dafür tun, dass diese Flüchtlinge Oderberg rasch verlassen können, und dort unterkommen, wo sie sich Arbeit, Ausbildung und ein besseres Leben erhoffen? Willkommen in Deutschland, aber besser nicht in Oderberg?

Solange sie hier sind, hilft man in Fragen des Alltags, beim Deutschlernen, beim Gang zu den Behörden. Das heißt aber auch, Flüchtlinge sind auf der Durchreise. Das ist psychologisch etwas anderes, als wenn sich Zuwanderer hier niederlassen würden.

Mit den abseits stehenden Oderbergern wäre dabei ein gewisses stilles Einverständnis zu erzielen. Einigkeit darin, dass alles ohne Aufsehen verläuft und der Ruf der Stadt keinen Schaden nimmt.

ODER…

…man baut von Anfang an auf eine Perspektive für ein Oderberg, in dem Zuzügler, woher auch immer, willkommen sind. Willkommensinitiative heißt dann, ihr seid eingeladen herauszufinden, ob es eine gemeinsame Perspektive gibt. Die Bereitschaft zur Willkommenskultur, führt diejenigen zusammen, die positiv denken. Sie teilen die Vision eines weltoffenen Oderbergs. Sie bauen auf die Erfahrung: wer zupackt, findet Mitmacher. Was also ansteht, ist die Vermessung der Erfahrungshorizonte. Was geht in Oderberg? Mit anderen Worten: Wer nur weiß, was er nicht will, braucht keine Vision, keinen Diskurs, keinen Plan, kein Konzept, keinen Prozess. Das heißt umgekehrt: Es braucht eine zielführende Idee. Und erste Schritte in diese Richtung. Und es braucht ein Ziel, das die Vision symbolisiert. Ein Selbstverständnis, das die Akteure zusammenhält. Argumente, auf die man bauen kann. Wege und Mittel, die zum Ziel führen. Und die Wahrnehmung von Zuständen, die man gerne hinter sich lassen möchte.